Vom Dorf zum Industriestandort Gaarden


Am Ostufer der Kieler Förde entstanden zum Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Werftanlagen. Mit dem fortschreitenden Ausbau der Werften zu großen Industriekomplexen entstanden in dem dörflichen Umland Siedlungen. Sie wurden Anfang des 20. Jahrhunderts zu Kiel eingemeindet. So auch das Dorf Gaarden, in dem sich nicht nur viele Werftarbeiter mit ihren Familien niederließen, sondern auch kleine Betriebe, Handwerker, Kaufleute, Beamte und Angestellte.Der zu Beginn des 20.Jahrhunderts eingemeindete Kieler Stadtteil Gaarden geht in seiner Entwicklung auf zwei Dorfteile zurück: das fürstliche Gaarden im Süden und klösterliche Gaarden im Norden.
Die dörflichen Strukturen wurden aufgebrochen, nachdem Kiel 1871 zum Reichskriegshafen ernannt wurde und am Ostufer der Förde
drei Großwerften entstanden: die Firma Howaldt, die Kaiserliche Werft und die 1865 gegründete "Norddeutsche Schiffbau AG". Etwa 20.000 Menschen waren kurz vor demErsten Weltkrieg im Kieler Schiffbau beschäftigt, der seine Aufträge vor allem von der Kaiserlichen Marine bezog.

Damit war das Dorf Gaarden zu einem Industriestandort von nationaler Bedeutung geworden. Schnell entstanden neue Straßenzüge mit großen Mietshäusern für die Arbeiter, mit Einzelhandelsgeschäften, Gaststätten, Werkstätten und Betrieben zur Versorgung der wachsenden Bevölkerung.

Das neue Gaarden war ein moderner Großstadtteil geworden, der teilweise über vorbildliche Wohl-fahrtseinrichtungen verfügte. Im Wohnungsbau
gab es musterhafte Beispiele, so die 1901 errichtete Arbeiterkolonie der Germaniawerft. Die aufstrebende Entwicklung fand, wie überall im Deutschen Reich, mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges ein Ende.

In den 1920er Jahren litten Gaarden und seine Bevölkerung schwer unter der Umstrukturierung der Werftindustrie und den wirtschaftlichen Krisen.

Eine Blüte und ein Aufschwung wie im letzten Jahrzehnt des alten Jahrhunderts kamen nicht wieder.


(Fotos: Stadtarchiv Kiel)