Wohnen in Gaarden in den 20er und 30er Jahren


Vor dem Ersten Weltkrieg hatte Kiel durch die Aufrüstung der kaiserlichen Marine einen wirtschaftlichen Boom mit einem großen Bevölkerungszuwachs erlebt. Allein in Gaarden stieg die Zahl von 2.715 Einwohnern im Jahr 1871 auf 26.770 im Jahr 1910 und dann noch einmal auf 38.297 im Jahr 1914.
In dieser Zeit wurden besonders viele Mietshäuser im Stil der Gründerzeit gebaut. 1901 baute Krupp für seine Arbeiter der Krupp-Germania Werft am Germaniaring (heute Ostring) erste Werkswohnungen, die Kruppsche Kolonie.

Typisch für Gaarden ist die mehrgeschossige Mietsbebauung. Die Wohnungen waren in der Regel für Menschen mit geringerem Einkommen ausgelegt und hatten selten mehr als zwei Zimmer. So waren die Wohnverhältnisse recht beengt.

Ein Rundgang durch eine Wohnung in der Iltisstr.34 vermittelt einen Eindruck vom Aussehen damaliger Interieurs.

Der Einzelhandel blühte. Läden und Handwerksbetriebe befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft, hauptsächlich in Innenhöfen der Wohnhäuser. In der Elisabethstrasse befanden sich in nahezu jedem Haus ein Betrieb oder Laden.

Wohnen, Einkaufen und Leben in den Straßen ereigneten sich in untermittelbarer räumlichen Nähe zueinander.

Elisabethstrasse 66

Bedingt durch die kriegsvorbereitende Aufrüstung der Marine war ein neuer Wohnungsbau für die zusätzlichen Arbeitskräfte notwendig geworden. In einer weiteren Bauphase (1937 - 1939) entstanden 3-geschossige Backsteinhäuser mit 2.500 Wohnungen, gebaut von der Kieler Wohnungsbaugesellschaft und der Krupp AG.